Einnahmetipps – so bleiben Sie dran!

Oft fällt es Menschen schwer, Tabletten regelmäßig einzunehmen. Erfahren Sie hier mehr über die Gründe und wie Sie diese Hürden nehmen.

Fast jede dritte Person, die regelmäßig Medikamente einnehmen muss, tut sich mit der Einnahme schwer.1 Vor allem, wenn die Erkrankung zunächst keine Beschwerden verursacht, wie beispielsweise Bluthochdruck.2 Dies kann sich auf den Behandlungserfolg und somit auch auf die Gesundheit auswirken.

Das sind bekannte Hürden für eine regelmäßige Einnahme:

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, gibt es verschiedene Strategien.1

Strategie 1: Schlucktechniken

Das Schlucken von Tabletten kann zu einem unangenehmen Würgereiz führen, wenn sie am Gaumen kleben bleiben; bei manchen Menschen will die Kapsel einfach nicht im Rachen verschwinden. Dies führt oft dazu, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen die Tabletten nicht oder seltener einnehmen als ärztlich empfohlen.1

Zwei Schlucktechniken können hier Abhilfe schaffen.

Nick-Technik

Diese Technik eignet sich besonders, wenn es schwerfällt, Kapseln zu schlucken. Anders als Tabletten sind diese zum Teil mit Luft gefüllt, daher schwimmen sie in dem aufgenommen Schluck Wasser an der Oberfläche. Wird der Kopf dann nach hinten geneigt, liegt die Wasseroberfläche und damit auch die Kapsel näher an den Zähnen. Wird das Wasser nun abgeschluckt, gelangt die Kapsel nicht – oder nur mit viel Nachtrinken – in den Magen.3

Besser ist daher, beim Schlucken von Kapseln nun den Kopf leicht nach vorne Richtung Brust zu kippen. So befindet sich die Kapsel bereits nahe am Rachen und wird beim Schlucken in den Magen gespült.

Flaschen-Trick

Tabletten sind schwerer und neigen daher dazu, abzusinken. Um hier das Abschlucken zu erleichtern, kann es helfen, stilles Wasser aus einer flexiblen Plastikflasche mit einer großen Öffnung zu sich zu nehmen.3

So lassen sich Tabletten leichter schlucken:

Strategie 2: Tablettenerinnerungen

Im stressigen Alltag oder wenn viele verschiedene Medikamente eingenommen werden, kann es passieren, dass die nächste Tabletteneinnahme vergessen wird.2 Hilfreich sind dann Erinnerungsstützen: Dabei kann es sich um einen Kalender oder Wochendosierer handeln, aber auch in der Wohnung verteilte Merkzettel erfüllen oft den Zweck.

Strategie 3: Routinen

Auch bestehende Routinen sind hilfreich, um sich an die nächste Medikamenteneinnahme zu erinnern. Beispielsweise könnte sich das morgendliche oder abendliche Ritual im Bad als Zeitraum für die Medikamenteneinnahme eignen.

Strategie 4: Apps

Das Smartphone ist in der Regel immer in Reichweite. Dies macht es zu einer sehr guten Erinnerungsstütze, vor allem mit der MyTherapy App. Diese hilft Ihnen, an Ihre nächste Tablette zu denken. Zusätzlich lassen sich Erinnerungen für beispielsweise die nächste Blutdruckmessung einstellen und Notizen machen, falls Nebenwirkungen auftreten. Alle Ihre Dokumentationen können Sie ausdrucken, damit Sie sie für das nächste Arztgespräch zur Hand haben.4

Strategie 5: Das Gespräch in vertrauter Arztpraxis oder Apotheke

Die Patienteninformation im Beipackzettel ist häufig nicht so einfach zu verstehen. Oft ist zum Beispiel nicht klar, dass sich Nebenwirkungen verringern lassen, wenn das Medikament zum richtigen Zeitpunkt eingenommen wird.5 Hilfreich ist dann ein Gespräch: entweder gleich in der Praxis oder in der Apotheke – auch, weil sich Einnahmeempfehlungen ändern können.

Bei Bluthochdruckmedikamenten wurde lange empfohlen, die Tabletten morgens einzunehmen. Eine Studie jedoch zeigt, dass die gesundheitlichen Vorteile überwiegen, wenn bei ausgewählten Medikamenten die Tablette vor dem Schlafen gehen eingenommen wird: Blutdruckwerte nahmen ab, Schlaganfälle und Herzinfarkte waren seltener.6 Ein Gespräch in der Praxis hält Sie auf dem neuesten Stand!

Strategie 6: Hilfsmittel für die Arzneimittelanwendung

Liegen körperliche Einschränkungen wie zum Beispiel versteifte Fingergelenke vor, kann es schon mal schwerfallen, die Tablette aus der Verpackung zu drücken. Hierfür gibt es sogenannte Tablettenausdrücker. Muss die Tablette geteilt werden, weil nur die halbe Dosis eingenommen werden soll, können spezielle Tablettenteiler aus der Apotheke eine praktische Hilfe sein.2

Wichtig zu wissen

Hinweis: Um die hohe Qualität unserer Inhalte sicherzustellen, wurde dieser Text von unserem ApothekerInnen-Team geprüft. Veröffentlicht am 27.05.2022 und aktualisiert am 12.06.2024.

Quellen

Textnachweise

  1. Bundesministerium für Bildung und Forschung. Newsletter April 2015. Probleme beim Pillenschlucken? – Praktische Tipps erleichtern das Einnehmen. https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/probleme-beim-pillenschlucken-praktische-tricks-erleichtern-das-einnehmen-3266.php. Abgerufen: 12.06.2024

  2. Onlineinformation der Bundesärztekammer (BÄK) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBB) Patienteninformation.de. Medikamente sicher einnehmen. https://www.patienten-information.de/kurzinformationen/sichere-arzneimitteltherapie Abgerufen: 12.06.2024

  3. ÄrzteZeitung. So geht’s‘ – Tabletten schlucken leichtgemacht. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Tabletten-schlucken-leicht-gemacht-244411.html Abgerufen: 12.06.2024

  4. DEINHANDY . Magazin. Medikamenten –App: Die 3 besten kostenlosen Arzneimittel-Apps im Tests. https://blog.deinhandy.de/medikamenten-app-die-3-besten-kostenlosen-arzneimittel-apps-im-test?msclkid=b983e4a6b68511ec8d7ad26ef7a206b2 Abgerufen: 12.06.2024

  5. Barmer. Risiken und Nebenwirkungen bei der Arzneimitteleinnahme – und wie man diese verhindern kann. https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/medikamente/risiken-und-nebenwirkungen-1055626?msclkid=4f9a3ee4b0ee11ec8f27028a4cd9e4f4 Abgerufen: 12.06.2024

  6. Hermida R et al. Bedtime hypertension treatment improves cardiovascular risk reduction: the Hygia Chronotherapy Trial, European Heart Journal, Volume 41, Issue 48, 21 December 2020, Pages 4565–4576, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehz754

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